Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Meine Erasmus Station im Vereinigten Königreich

Erasmusbericht von Tom Sammrey:

Im Rahmen des Erasmus und Auslandspraktikums reiste ich nach Walsall, eine Stadt in der Nähe von Birmingham im Vereinigten Königreich. Dort arbeitete ich für die Firma Tican Chilled, einem Großhändler von Fleischwaren, der ganz UK mit seinen Waren beliefert. Die Firma gehört zur Tican-Gruppe, deren Hauptsitz sich in Thisted, Dänemark befindet. Seit 2016 ist sie eine Tochterfirma der Tönnies-Gruppe. Im Zuge der Praktikumsvorbereitung war es meine Aufgabe die entsprechenden Flüge, sowie eine Unterkunft für den Praktikumszeitraum zu organisieren. Die Flüge habe ich über ein Reisebüro gebucht. Die Wohnungssuche gestaltete sich sehr simpel, da Tican Chilled bereits eine Wohnung, direkt gegenüber der Firma, gemietet hat.

Der Beginn einer neuen Erfahrung

Nachdem nun alles geplant war, ging es für mich einen Monat später mit dem Flugzeug nach Birmingham. Dort wurde ich von dem Finanzdirektor Matthew abgeholt und durfte direkt Bekanntschaft mit der englischen Gastfreundschaft machen, da er mich zu einem gemeinsamen Essen mit seiner Familie einlud. Am ersten Wochenende hatte ich genug Zeit um mich einzuleben, erste Einkäufe zu tätigen und meine Umgebung kennenzulernen. Alles was ich benötigte war in direkter Umgebung, die Firma direkt nebenan, der erste große Supermarkt keine 10 Minuten Fußweg entfernt und selbst zum Bahnhof brauchte man nur 15 Minuten.

Station I: Prozess eines Runs

Am Montag ging es für mich das erste Mal ins Büro, wo ich herzlich empfangen und allen Mitarbeitern vorgestellt wurde. Die ersten Tage wurde ich grob in die Prozesse aller Abteilungen eingewiesen, um einen Überblick zu erhalten. Daraufhin wurde ich der Verkaufsabteilung zugewiesen und erhielt dort meine Projektarbeit für die nächsten drei Wochen - das „Run Profitability Project“, ein Projekt um bestimmte Touren profitabler zu machen und deren Kapazitäten besser auszulasten. Um mich dem Prozess eines „Runs“ vertraut zu machen, durfte ich für einen Tag im Transporter mitfahren und mit den Kunden bei den Auslieferungen Kontakt aufnehmen. Zu Beginn der Aufgabe mussten die Touren ausfindig gemacht werden, die noch Kapazität haben bzw. die nicht voll ausgelastet sind. Die zu verbessernden Touren waren aufgrund der vorliegenden Daten für mich sofort ersichtlich. Eine weitere Aufgabe des Projektes bestand nun darin mit Hilfe des Internets, sowie eines Data-Cubes (einer Datei in der alle Informationen zu Kunden, Artikeln und Verkäufen stehen) neue potentielle Kunden für jeden „Run“ innerhalb eines bestimmten Gebietes herauszusuchen und visuell darzustellen.

Station II: Analyse des Kundenverhaltens

Darauffolgend musste das Kaufverhalten der bereits bestehenden Kunden analysiert werden, um herauszufinden wie viele Artikel überhaupt vom jeweiligen Kunden gekauft werden und welche Artikel einen Abwärtstrend durchlaufen, sodass man dem entgegenwirken kann. Zwei Aufgaben waren nun noch zu erledigen, für die ich keine vorliegenden Daten nutzen konnte. Meine Kenntnisse, welche ich im Zuge meiner Ausbildung bei Tönnies erworben habe, waren hier eine große Hilfe. Es mussten Ideen gesammelt werden, um die Verkaufszahlen zu steigern und Kosten auf den einzelnen Touren zu minimieren. Neben dem Projekt habe ich zudem für zwei komplett unberührte Gebiete in Wales neue potentielle Kunden für zwei neue Runs herausgesucht, um abzuschätzen, ob es sich lohnt für die potentiellen Kunden neue Runs zu starten oder ob man die neuen Kunden in bereits vorhandene Runs integriert.

Vorstandspräsentation

Zum Ende des Praktikums habe ich alle Daten und Ergebnisse zusammengefasst und der Geschäftsleitung der Firma in einer Präsentation dargestellt. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir dieses Projekt extrem viel Spaß gemacht hat, da es eine sehr anspruchsvolle und spannende Aufgabe war - nicht zuletzt da alles in einer Fremdsprache erfolgen musste und ich sehr viel über die Fleischindustrie, die Kultur und die Menschen in England kennenlernen durfte. Bemerkenswert war es, dass mir der Betrieb keine Vorgaben stellte. Ich hatte alle Freiheiten, um meine Kreativität zu entfalten und die Ergebnisse auf meine Art und Weise zu erarbeiten und zu präsentieren. Eine Erleichterung stellte das familiäre Arbeitsklima dar: die Kollegen sind Freude, es spricht jeder mit jedem und jeder versucht einander zu helfen. So ist man ist beispielsweise auch gerne mal abends zusammen zum Viet-Thai oder in einem Pub Essen gegangen.

Fazit

Würde ich nochmals an einem Auslandspraktikum teilnehmen? Definitiv JA! Ich blicke mit voller Freude auf meine Zeit im Ausland zurück. Zugegebenermaßen war ich anfangs sehr nervös, war mir nicht sicher, ob ich zum ersten Mal alleine im Ausland mit der Sprache und der Arbeit zurechtkommen würde. Doch das legte sich sehr schnell, da ich ausschließlich mit sehr freundlichen, lustigen aber auch kompetenten Menschen zusammengearbeitet habe, die mir bei jeglichen Fragen und Problemen, egal ob Arbeit oder privat zur Seite standen und durch die ich sehr viele Informationen über England, die Fleischindustrie und die Kultur sammeln konnte. So viel es mir sehr leicht mich einzuleben und meine Arbeit voller Freude und Tatendrang zu bewältigen. Viele Menschen sprechen davon, dass man seinen Horizont erweitern solle. Ich denke, dass mir dieses Auslandspraktikum genau das ermöglicht hat, denn für mich, als so gerade Erwachsenen, war das der erste Schritt in die Eigenständigkeit. Zudem durfte ich ein fremdes Land, fremde Menschen kennenlernen, durfte dort arbeiten und Geld verdienen und bin froh darüber, dass ich diese Chance wahrgenommen habe.