Controlling bei Tönnies

Zwischen Kuppelproduktion und Business Intelligence

Am 12.12.2019 waren auf Einladung von Prof. Dr. Christian Faupel Kirsten Salmon und Michael Goslar von der Firma Tönnies zu Gast am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, um über die Herausforderungen für das Controlling und die BI Landschaft in einem diversifizierten Konzern der Fleischverarbeitung zu referieren. Zunächst stellten die beiden den Werdegang des Unternehmens von einem Handwerksbetrieb zu einem industriell fertigenden Unternehmen, mit heute über 16.000 Mitarbeitenden und ca. 6,65 Mrd. Euro Jahresumsatz, vor. Zum Tönnies Konzern gehören hierbei zahlreiche bekannte Marken wie bspw. Tillmans, Gutfried oder auch Böklunder.

Direkt zu Beginn ging Kirsten Salmon, Leiterin des Controllings Meat bei Tönnies, auf die Besonderheiten des Controllings ein. Während andere große Konzerne standardisierte Produkte wie bspw. Smartphones oder Autos herstellen, verarbeitet Tönnies ein Lebewesen, bei dem keine perfekte Standardisierung möglich ist, d.h. das Gewicht und die Güte von zum Beispiel einem Schweinefilet. kann in seiner Ausprägung unterschiedlich sein. „Während ein Smartphone-Hersteller aus 100 Einzelteilen ein Endprodukt herstellt, verarbeitet Tönnies ein Schwein zu 100 verschiedenen Endprodukten“, veranschaulichte Kirsten Salmon diesen gravierenden Unterschied. Hieraus ergibt sich die Herausforderung einer Kuppelkalkulation, die aufgrund ihres seltenen Einsatzfalls in den Lehrbüchern zu Kostenrechnung und Kalkulation oft nur einen sehr geringen Teil einnimmt. Hier heißt es dann „learning on the job“, so Kirsten Salmon.

Das starke Wachstum des Tönnies Konzerns zeigte Sie dann auch an Zahlen. Bei Ihrem Einstieg im Unternehmen 2013 waren in der Abteilung vier Controller beschäftigt. Als Sie die Leitung der Abteilung 2015 übernahm waren es bereits sechs. Derzeit hat Kirsten Salmon bereits 17 Controller in Ihrer Abteilung. Aufgrund des Wachstums hat sich auch die Steuerung des Unternehmens verändert. Was bis vor einigen Jahren noch durch persönliches Erleben und Bauchgefühl der Inhaber möglich war, ist heute deutlich formalisierter. So hat sich die Zahl der KPIs von 2013 bis heute von ca. 30 auf nun fast 80 mehr als verdoppelt.

Nach den Einblicken von Kirsten Salmon ging Michael Goslar auf die Anforderungen und Herausforderungen für das Controlling unter dem Kontext der Digitalisierung ein. So zeigte er das hohe Automatisierungspotenzial in vielen Bereichen des Controllings, die eine gewisse Verdrängungs-Sorge der Controller begründen. Er unterstrich aber zugleich die positiven Aspekte, die hieraus gezogen werden sollten – Controller können sich mehr mit Beratung und der Interpretation von Daten beschäftigen, weniger mit der Aufbereitung von diesen. Als wesentliche Änderung des Anforderungsprofils nannte er den Bereich Data Literacy – also Datenkompetenz. Zugleich nannte er wesentliche Herausforderungen aus Sicht der Praxis: (1) Steuerungsrelevante Kennzahlen, (2) Verständnis der Business-Prozesse, (3) Verständnis der IT-Systeme, (4) Datenverfügbarkeit und –qualität, (5) Verständnis der Datenverarbeitungsprozesse und (6) Standards bei Auswertungen und deren Visualisierung.

Prof. Faupel dankte Kirsten Salmon und Michael Goslar für die spannenden Einblicke und lädt alle Interessierten zu den Vorträgen im neuen Jahr ein..